dritter Tag mit Marco
Am Vormittag fahren wir zum Mercado Molino und kaufen dort Schuhe
für unsere beiden Söhne, ein Badewandl, eine Thermoskanne
und Spielzeugautos. Alles zu sehr günstigen Preisen.
Nach dem Mittagessen wollen wir auf dem Standesamt in der
Municipalidad die bestellten und für heute versprochenen
"Constancias" abholen, aber natürlich sind sie noch nicht
fertig. Also wieder heim. Francisco lässt sich leider nicht zu
einer Siesta überreden, aber spielt alleine, so dass wir uns
wenigstens ein bisserl ausruhen können. Wir kämpfen immer
noch mit der Höhe.
Um 16:30 Uhr besuchen wir unseren Marco dann zum dritten Mal im
Kinderheim und dürfen heute auch das Heim besichtigen und
fotografieren und filmen. Marco läuft heute sofort strahlend
auf uns zu und redet heute auch schon ein bisserl was.
Die Hermana Emilia (Madre) zeigt uns alles im Kinderheim, das
eigentlich nur ein Durchgangsheim ("transitorio") ist. Ausserdem
ist es ein Comedor für 400 Kinder, d.h. sie kommen
täglich zum Mittagessen. Im Heim selber sind ca. 40 Kinder,
davon sehr viele Pflegekinder, die wahrscheinlich irgendwann wieder
zu ihren Eltern zurückgehen. Momentan sind dort 8 Kinder zur
Adoption.
Die Kinder schlafen getrennt nach Alter und (ausser 0-2) nach
Geschlecht. Marco schläft noch bei den ganz Kleinen, weil er
wg. seinen Weinkrämpfen (starkes Weinen mit Atemstillstand bis
er blau anläuft) lange behandelt wurde. Das ist auch der
Grund, warum er noch nicht sauber ist. Das wiederholt sie immer
wieder, es ist ihr fast peinlich. Die anderen Kinder sind schon mit
1,5 bis 2 Jahren sauber!
Sie erzählt uns auch detailliert Marcos Tagesablauf und seine
Essgewohnheiten. Er schläft von 18:30 bis 06:00 durch. Er
schläft mit seinem Milchfläschchen ein. In der Früh
springt/klettert er mit seinen Freunden von Kinderbettchen zu
Kinderbettchen. Ein ganz schöner Treibauf!
Die Kleidung, die er anhat, ist übrigens seine
Sonntagskleidung. Deshalb sieht sie wohl auch noch so nagelneu aus.
Er läßt sich auch von der Schwester nicht die Jacke
ausziehen, ohne zum Weinen anzufangen.
Die Kinder kommen schon auch ab und zu aus dem Heim raus, z.B.
gehen sie Sonntags in die Kirche.
Wir schenken dem Heim 3 Spielsachen (Kreisel, Holz-Ringpyramiden,
Würfel-Puzzle). Wir erfahren, dass Marco ständig mit
einer bestimmten Puppe rumläuft und fragen, ob wir sie
mitnehmen dürfen. Wir dürfen! Marco sagt zu ihr "Mama",
wie auch zu praktisch allen weiblichen Personen im Heim und sogar
zur Kinderärztin.
Während unseres Rundgangs ist Marco immer an der Hand der
Schwester Emilia, aber schaut auch immer zu uns her und
lächelt uns an. Viele der anderen Kinder sind ganz fasziniert
von uns, wollen hochgehoben werden. Wir haben den Eindruck, sie
würden am liebsten sofort mit uns mitgehen.
Anschließend spielen wir mit Francisco und Marco noch 20min im
Innenhof, haben viel Spaß und stellen wieder fest, was
für ein Schlitzohr Marco ist. Francisco ist wieder total lieb,
nimmt ihn auf der Treppe an der Hand oder sagt uns gleich, wenn er
was anstellt. Er ist aber auch sehr eifersüchtig und will
immer das gleiche machen wie Marco. Um 17:50 Uhr kann Marco sich
kaum mehr auf den Beinen halten und wir bringen ihn zurück zur
Madre. Er gibt uns allen noch ein Abschiedsbussi.
Wir machen dann noch einen Großeinkauf im sehr schönen
Supermarkt "Gato's Market" am Hauptplatz und essen in einem
mexikanischen Restaurant (in der Calle Maruri). Das Essen ist nicht
schlecht und die Bedienung ist sehr freundlich und zuvorkommend,
aber "mexikanisch" schmeckt es nicht gerade.
Bilder von heute:
http://familie.spiegl.de/fotos/2006-10-25.dritter.Tag.mit.Marco/