+2006-11-10 Fr 23:59

Juchhu, Fertig!

Sodala, gestern abend hab ich (Andy) mir mal einen "freien" Abend gegönnt und nichts am PC gemacht, sondern auch mal im Harry Potter gelesen. Das tut nicht nur meinem Spanisch gut. :-) Daher gibt's hier jetzt den Bericht von gestern und heute. Es ist wirklich VIEL passiert! Wer nicht alles lesen will, hier eine Zusammenfassung:

Juchhu, WIR SIND FERTIG mit dem Papierkrieg und fahren in der Nacht von Samstag auf Sonntag nach Piura rauf. Damit beginnt der hoffentlich erholsamere Teil unserer Reise.


Um 9:30 Uhr begann unsere Taxi-Rundfahrt durch alle Ämter in Lima. Überall standen wie üblich sehr viele Leute in ewig langen Schlangen an, aber dank unserer Kinder brauchten wir fast nirgends anstehen, puh! Denn Behinderte, Schwangere und Eltern mit kleinen Kindern dürfen hier immer vor. Eine wirklich nachahmenswerte Regelung!

Zuerst sind wir zu "Migraciones" gefahren, um einen Pass für Marco ausstellen zu lassen. Dazu brauchten wir vorher aber noch Fotokopien von unseren Pässen und mussten erst in der "Banco de la Nacion" eine Gebühr bezahlen. Zusammen mit diesen Zetteln wurden wir dann in die Halle "Revisión de Documentos" reingelassen. Nachdem wir eine noch fehlende Kopie (der Passseiten mit den Einreisestempeln) nachgeliefert hatten, durften wir mit unseren Kids an dem Wartesaal (mit bestimmt 200 Leuten - ca. 1-2 Std. Wartezeit) vorbeimarschieren und uns direkt an das Fensterchen stellen, wo Marcos Daten eingegeben wurden. Papa und Sohn mussten dort auch einen Fingerabdruck machen. Die Beamtin war aber leider nicht grad die hellste. Zum Beispiel hat sie ins Adressfeld "Distrikt Chancay" (weit weg von Lima!) statt "Straße Chancay" eingetragen und dann wollte sie unbedingt Heidis zweiten Vornamen "Maria" eintragen, weil ihr "Heidrun" zu kompliziert war. Es hat ein ganzes Weilchen gedauert, bis wir ihr klarmachen konnten, dass wir das so wirklich nicht in Ordnung finden. Sonst nehmen die peruanischen Behörden doch immer alles super genau!

Dann war Marco wieder selber gefragt: er musste kurz stillsitzen und in die richtige Richtung schauen, um ein (digitales) Foto von sich machen zu lassen. Und das war's dann auch schon. Nur 2 Stunden später bekamen wir seinen Pass ausgehändigt!

In der Zwischenzeit sind wir aber gleich weiter zu RENIEC gefahren, um dort die Unterschrift der Standesbeamtin in Cusco beglaubigen zu lassen. Auch dazu mussten wir wieder Vorarbeit leisten (diverse Fotokopien, Gebühren in der Bank) und durften dann aber wieder an all den langen Schlangen vorbei. Abholen konnten wir sie aber nicht am gleichen Tag, sondern erst morgen früh. Das ist aber schon viel besser als vor drei Jahren - da hat's noch zwei ganze Tage gedauert.

Da es jetzt erst 12 Uhr war, sind wir gleich noch zum Aussenministerium gefahren und haben 4 wichtige Dokumente in vielen Ausfertigungen zum Beglaubigen abgegeben. (insgesamt 23 Unterschriften zu je 21,93 Soles, uff)

Danach schnell ganz ohne Wartezeit bei "Migraciones" den fertigen Pass abgeholt und wieder "heim" zum Mittagessen und Siesta der Kinder.

Andy ist dann allein zum Aussenministerium gefahren, um die fertigen Beglaubigungen abzuholen und danach haben wir uns als letzte Aktion für heute noch bei einem der "offiziellen" Fotografen in einem ganz anderen Stadtteil Limas getroffen, um die geforderten "biometrietauglichen Fotos" für das deutsche Visum machen zu lassen. Das hat auch gut geklappt und war nicht mal sehr teuer (8 Soles (=2 Euro) für 2 Fotos).

Puh, damit war an diesem einen Tag schon mal sehr viel geschehen und wir beschlossen, uns noch ein bisschen in Miraflores zu erholen. Erst wollten wir unseren Jesuiten-Freund Sixto besuchen und ihm Marco vorstellen, aber der lag grad mit Grippe im Bett. Also sind wir ein bisserl am Ufer entlangspaziert und einen Spielplatz (wieder)entdeckt. Das war eine SEHR willkommene Abwechslung für Francisco und Marco. Marco hat den Sand erst SEHR skeptisch begutachtet und vorsichtshalber ein paar Tränen vergossen, aber war dann schnell ganz begeistert, hihi. Und schließlich haben wir dann noch ein paar Freunde aus dem Radio Marañón besucht, die inzwischen in Lima wohnen: Olinda und Carlos haben sich sehr gefreut, uns zu sehen und die Kinder haben auch nett miteinander gespielt.



Als die Kinder nach dem Abendessen dann endlich im Bett lagen, hat sich Heidi der Hand(!)wäsche auf dem Dach der Residencia gewidmet, während Andy wie erwähnt Harry Potter lesen durfte.

Marco hat heute wieder ein paar Fortschritte gemacht: er hat zum ersten Mal eine Frage verneint (sonst sagt er ja nur zu allem "ya" oder nickt). Und sein erstes deutsches Wort hat er auch gesprochen: "Nein". Das hat er von uns inzwischen wohl schon oft genug gehört. :-)

Francisco dagegen hat sich teilweise furchtbar eifersüchtig und schrecklich benommen. In ihm kochen wohl so langsam einige Sachen hoch...

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So, und nun zum heutigen Freitag: Wir sind wieder ziemlich früh aus den Federn geschlüpft, um gleich um 9 Uhr bei RENIEC am Schalter zu stehen. Eigentlich müsste man dazu wohl so ab 7 Uhr Schlange stehen, aber mit zwei kleinen Kindern unter/auf dem Arm hat sich das wieder erübrigt. *grins*

Nur dummerweise wurden wir an dem entsprechenden Schalter abgewiesen, weil unser Auftrag (wg. Überlastung der Behörde) noch nicht erledigt war. Wir wurden in den zweiten Stock geschickt, um die beglaubigten Geburtsurkunden dort abzuholen. Aha. Seltsamerweise wurden wir dann aber nicht beim gleichen Eingang wie gestern reingelassen, sondern bei einer versteckten Seitentür, wo wir über zwei schmale Gänge dann direkt neben der Haupteingangstür rauskamen :-)

Oben angekommen, erfuhren wir und die restliche Traube aufgebrachter Peruaner (die auch auf das "ab 9 Uhr"-Versprechen gezählt haben), dass wir uns erst mal so 15 Minuten (peruanische Minuten sind gewöhnlich mind. 2-3 mal so lang) gedulden sollten. Nachdem Heidi zu dem Zeitpunkt schon mit Marco unterwegs zum Aussenministerium war, um dort schon mal die Bankgebühren zu bezahlen, hat das mir und Francisco gar nicht so recht ins Konzept gepasst. Als die Dame am Schalter dann plötzlich auch noch eine Kopie der Adoptionsurkunde haben wollte, habe ich ihr das auch recht deutlich gesagt, woraufhin sie meinte, dass sie die Kopie dann halt schnell selber macht. Wofür sie zur Beglaubigung der Unterschrift einer Standesbeamtin aber die Adoptionsurkunde gebraucht hat, fragen wir uns jetzt noch. Vor allem, da auf der Geburtsurkunde nirgendwo vermerkt ist, dass es sich um Adoption handelt. Das hatte sie nur daraus gefolgert, dass sie erst 2,5 Jahre nach der Geburt ausgestellt wurde. Naja, uns ist es ja gottseidank ziemlich egal, wer alles von der Adoption weiß, aber so ganz korrekt war das wohl nicht von der Dame. Nur 30 Minuten später hatten wir dann endlich auch die Beglaubigungen in der Hand und ich bin mit Francisco auf den Schultern die 5 Häuserblöcke zum Aussenministerium getrabt. Schweissgebadet musste ich feststellen, dass Heidi und Marco leider noch gar nichts erreichen konnten, da man die Gebühren bei der Bank erst zahlen kann, wenn man eine Bearbeitungsnummer in der Hand hat. Also mussten wir uns halt doch zweimal an der (gottseidank nicht allzulangen) Schlange anstellen. Damit schien unser Traum geplatzt, heute noch rechtzeitig alles bei der deutschen Botschaft abliefern zu können (die lassen die Leute dort nämlich nur bis 11:30 Uhr rein). Doch dann kam die Überraschung: die Legalisation der Geburtsurkunden war schon um 10 Uhr fertig - nach nur 15 Minuten!

Also wir sofort ins Taxi und ab zur Botschaft. Dummerweise hab ich mich mit der Adresse vertan und dem Taxista "Avenida Arequipa 1438" statt "4238" gesagt. Da liegen ja auch nur 28 Häuserblöcke dazwischen. :-)

Trotzdem waren wir dann schon um 10:30 Uhr in der Botschaft, wo uns unsere supernette Bekannte wieder köngiglich bedient hat! Womit haben wir das nur verdient? Sie hat uns auch daraufhingewiesen, dass wir vielleicht besser ein paar der zu beglaubigenden Dokumente zusammenfassen, damit's billiger wird. So mussten wir dann statt 3000 nur gute 2000 Soles (ca. 500 Euro) zahlen. Im Vergleich zu den Gebühren der peruanischen Ämter langen die Deutschen da ganz schön zu. *seufz* (40 Euro pro beglaubigte Unterschrift, selbst wenn auf allen Dokumenten der gleiche unterschrieben hat). Nur gut, dass man an den peruanischen Geldautomaten problemlos mit der deutschen EC-Karte US-Dollars abheben kann! Leider war dort in der Nähe aber kein Geldwechsler, so dass ich in der Bank wechseln musste. Der Kurs ist dort immer viel schlechter als auf der Straße! Interessanterweise habe ich heute aber festgestelllt, dass man selbst in der Bank handeln kann! Ein bisschen Wedeln mit $700 und ein missbilligender Blick auf den Kurs (3,16 Soles/Dollar) hat ausgereicht, um sie auf 3,195 hochzuhandeln. Ein Unterschied von immerhin 25 Soles, was hier ca. 5 Mittagessen entspricht.

Nachdem ich unser aus Deutschland abgehobenes und in Soles gewechseltes Geld dann in der deutschen Botschaft wieder abgeliefert hatte, damit die es zurückwechseln und wieder nach Deutschland schicken (kein Wunder, dass es den Banken so gut geht!), waren nicht nur unsere Brieftaschen total erleichtert. Denn damit hatten wir ALLE Formalitäten erledigt. Kurz vor dem Abflug im Dezember müssen wir nur noch das Visum in Marcos Pass reinkleben lassen und die legalisierten Dokumente wieder abholen, aber ansonsten ist nun nichts mehr zu erledigen. Kaum zu glauben, wie schnell das nun doch alles ging!



Nach einem herzlichen Dankeschön an unsere Bekannte und einem Abschiedsfoto standen wir dann vor der Botschaft und mussten erstmal ein Päuschen machen, um unsere restlichen Tage in Peru zu planen. Unser Beschluss: morgen noch einen Tag Ausruhen in Lima und dann am Abend mit dem Nachtbus ab nach Piura (ganz oben im Norden von Peru).

Gleichzeitig mit der Premiere (in München!) des Theaterstücks "Umdraat", bei dem ich (Andy) eigentlich mitspielen hätte dürfen/sollen, sind wir zum Busunternehmen "Línea" gefahren und haben uns die Tickets gekauft. Netterweise akzeptieren die inzwischen auch Kreditkarten, denn unser Bargeld ging für heute dann doch langsam zur Neige.

Den Nachmittag haben wir dann wirklich ganz ruhig angehen lassen, was für die Kinder nach der Rennerei auch dringend nötig war. Am Abend haben wir dann mal auf das Essen im Haus verzichtet und sind zu Fuß ins Zentrum von Lima gegangen, haben uns den Hauptplatz angeschaut und dann gleich dort abendgegessen. Auf dem Rückweg hat Marco auf Andys Schultern sitzen intensiv Franciscos und seinen eigenen Namen geübt, bei jedem Schritt: "Marco Fansico Marco Fansico ..."



Auch Francisco hat sich wieder ein bisserl mehr getraut, Spanisch zu sprechen. Zwar nicht mit anderen Peruanern, aber immerhin mit seinem Bruder!
Andy: "Frag doch mal den Marco, ob er Hunger hat."
Francisco: "Tengos hambre?"

Neue Fotos: http://familie.spiegl.de/fotos/2006-11-10.wieder.in.Lima/

Posted by Andy Spiegl | Permanent Link | Categories: Adoption

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