Juchhu, Fertig!
Sodala, gestern abend hab ich (Andy) mir mal einen "freien" Abend
gegönnt und nichts am PC gemacht, sondern auch mal im Harry
Potter gelesen. Das tut nicht nur meinem Spanisch gut.

Daher
gibt's hier jetzt den Bericht von gestern und heute. Es ist
wirklich VIEL passiert! Wer nicht alles lesen will, hier eine
Zusammenfassung:
Juchhu, WIR SIND FERTIG mit dem Papierkrieg und fahren in
der Nacht von Samstag auf Sonntag nach Piura rauf. Damit beginnt
der hoffentlich erholsamere Teil unserer Reise.
Um 9:30 Uhr begann unsere Taxi-Rundfahrt durch alle Ämter in
Lima. Überall standen wie üblich sehr viele Leute in ewig
langen Schlangen an, aber dank unserer Kinder brauchten wir fast
nirgends anstehen, puh! Denn Behinderte, Schwangere und Eltern mit
kleinen Kindern dürfen hier immer vor. Eine wirklich
nachahmenswerte Regelung!
Zuerst sind wir zu "Migraciones" gefahren, um einen Pass für
Marco ausstellen zu lassen. Dazu brauchten wir vorher aber noch
Fotokopien von unseren Pässen und mussten erst in der "Banco
de la Nacion" eine Gebühr bezahlen. Zusammen mit diesen
Zetteln wurden wir dann in die Halle "Revisión de Documentos"
reingelassen. Nachdem wir eine noch fehlende Kopie (der Passseiten
mit den Einreisestempeln) nachgeliefert hatten, durften wir mit
unseren Kids an dem Wartesaal (mit bestimmt 200 Leuten - ca. 1-2
Std. Wartezeit) vorbeimarschieren und uns direkt an das Fensterchen
stellen, wo Marcos Daten eingegeben wurden. Papa und Sohn mussten
dort auch einen Fingerabdruck machen. Die Beamtin war aber leider
nicht grad die hellste. Zum Beispiel hat sie ins Adressfeld
"Distrikt Chancay" (weit weg von Lima!) statt "Straße Chancay"
eingetragen und dann wollte sie unbedingt Heidis zweiten Vornamen
"Maria" eintragen, weil ihr "Heidrun" zu kompliziert war. Es hat
ein ganzes Weilchen gedauert, bis wir ihr klarmachen konnten, dass
wir das so wirklich nicht in Ordnung finden. Sonst nehmen die
peruanischen Behörden doch immer alles super genau!
Dann war Marco wieder selber gefragt: er musste kurz stillsitzen
und in die richtige Richtung schauen, um ein (digitales) Foto von
sich machen zu lassen. Und das war's dann auch schon. Nur 2 Stunden
später bekamen wir seinen Pass ausgehändigt!
In der Zwischenzeit sind wir aber gleich weiter zu RENIEC gefahren,
um dort die Unterschrift der Standesbeamtin in Cusco beglaubigen zu
lassen. Auch dazu mussten wir wieder Vorarbeit leisten (diverse
Fotokopien, Gebühren in der Bank) und durften dann aber wieder
an all den langen Schlangen vorbei. Abholen konnten wir sie aber
nicht am gleichen Tag, sondern erst morgen früh. Das ist aber
schon viel besser als vor drei Jahren - da hat's noch zwei ganze
Tage gedauert.
Da es jetzt erst 12 Uhr war, sind wir gleich noch zum
Aussenministerium gefahren und haben 4 wichtige Dokumente in vielen
Ausfertigungen zum Beglaubigen abgegeben. (insgesamt 23
Unterschriften zu je 21,93 Soles, uff)
Danach schnell ganz ohne Wartezeit bei "Migraciones" den fertigen
Pass abgeholt und wieder "heim" zum Mittagessen und Siesta der
Kinder.
Andy ist dann allein zum Aussenministerium gefahren, um die
fertigen Beglaubigungen abzuholen und danach haben wir uns als
letzte Aktion für heute noch bei einem der "offiziellen"
Fotografen in einem ganz anderen Stadtteil Limas getroffen, um die
geforderten "biometrietauglichen Fotos" für das deutsche Visum
machen zu lassen. Das hat auch gut geklappt und war nicht mal sehr
teuer (8 Soles (=2 Euro) für 2 Fotos).
Puh, damit war an diesem einen Tag schon mal sehr viel geschehen
und wir beschlossen, uns noch ein bisschen in Miraflores zu
erholen. Erst wollten wir unseren Jesuiten-Freund Sixto besuchen
und ihm Marco vorstellen, aber der lag grad mit Grippe im Bett.
Also sind wir ein bisserl am Ufer entlangspaziert und einen
Spielplatz (wieder)entdeckt. Das war eine SEHR willkommene
Abwechslung für Francisco und Marco. Marco hat den Sand erst
SEHR skeptisch begutachtet und vorsichtshalber ein paar Tränen
vergossen, aber war dann schnell ganz begeistert, hihi. Und
schließlich haben wir dann noch ein paar Freunde aus dem Radio
Marañón besucht, die inzwischen in Lima wohnen: Olinda
und Carlos haben sich sehr gefreut, uns zu sehen und die Kinder
haben auch nett miteinander gespielt.
Als die Kinder nach dem Abendessen dann endlich im Bett lagen, hat
sich Heidi der Hand(!)wäsche auf dem Dach der Residencia
gewidmet, während Andy wie erwähnt Harry Potter lesen
durfte.
Marco hat heute wieder ein paar Fortschritte gemacht: er hat zum
ersten Mal eine Frage verneint (sonst sagt er ja nur zu allem "ya"
oder nickt). Und sein erstes deutsches Wort hat er auch gesprochen:
"Nein". Das hat er von uns inzwischen wohl schon oft genug
gehört.
Francisco dagegen hat sich teilweise furchtbar eifersüchtig
und schrecklich benommen. In ihm kochen wohl so langsam einige
Sachen hoch...
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So, und nun zum heutigen Freitag: Wir sind wieder ziemlich
früh aus den Federn geschlüpft, um gleich um 9 Uhr bei
RENIEC am Schalter zu stehen. Eigentlich müsste man dazu wohl
so ab 7 Uhr Schlange stehen, aber mit zwei kleinen Kindern
unter/auf dem Arm hat sich das wieder erübrigt. *grins*
Nur dummerweise wurden wir an dem entsprechenden Schalter
abgewiesen, weil unser Auftrag (wg. Überlastung der
Behörde) noch nicht erledigt war. Wir wurden in den zweiten
Stock geschickt, um die beglaubigten Geburtsurkunden dort
abzuholen. Aha. Seltsamerweise wurden wir dann aber nicht beim
gleichen Eingang wie gestern reingelassen, sondern bei einer
versteckten Seitentür, wo wir über zwei schmale
Gänge dann direkt neben der Haupteingangstür rauskamen
Oben angekommen, erfuhren wir und die restliche Traube
aufgebrachter Peruaner (die auch auf das "ab 9 Uhr"-Versprechen
gezählt haben), dass wir uns erst mal so 15 Minuten
(peruanische Minuten sind gewöhnlich mind. 2-3 mal so lang)
gedulden sollten. Nachdem Heidi zu dem Zeitpunkt schon mit Marco
unterwegs zum Aussenministerium war, um dort schon mal die
Bankgebühren zu bezahlen, hat das mir und Francisco gar nicht
so recht ins Konzept gepasst. Als die Dame am Schalter dann
plötzlich auch noch eine Kopie der Adoptionsurkunde haben
wollte, habe ich ihr das auch recht deutlich gesagt, woraufhin sie
meinte, dass sie die Kopie dann halt schnell selber macht.
Wofür sie zur Beglaubigung der Unterschrift einer
Standesbeamtin aber die Adoptionsurkunde gebraucht hat, fragen wir
uns jetzt noch. Vor allem, da auf der Geburtsurkunde nirgendwo
vermerkt ist, dass es sich um Adoption handelt. Das hatte sie nur
daraus gefolgert, dass sie erst 2,5 Jahre nach der Geburt
ausgestellt wurde. Naja, uns ist es ja gottseidank ziemlich egal,
wer alles von der Adoption weiß, aber so ganz korrekt war das
wohl nicht von der Dame. Nur 30 Minuten später hatten wir dann
endlich auch die Beglaubigungen in der Hand und ich bin mit
Francisco auf den Schultern die 5 Häuserblöcke zum
Aussenministerium getrabt. Schweissgebadet musste ich feststellen,
dass Heidi und Marco leider noch gar nichts erreichen konnten, da
man die Gebühren bei der Bank erst zahlen kann, wenn man eine
Bearbeitungsnummer in der Hand hat. Also mussten wir uns halt doch
zweimal an der (gottseidank nicht allzulangen) Schlange anstellen.
Damit schien unser Traum geplatzt, heute noch rechtzeitig alles bei
der deutschen Botschaft abliefern zu können (die lassen die
Leute dort nämlich nur bis 11:30 Uhr rein). Doch dann kam die
Überraschung: die Legalisation der Geburtsurkunden war schon
um 10 Uhr fertig - nach nur 15 Minuten!
Also wir sofort ins Taxi und ab zur Botschaft. Dummerweise hab ich
mich mit der Adresse vertan und dem Taxista "Avenida Arequipa 1438"
statt "4238" gesagt. Da liegen ja auch nur 28
Häuserblöcke dazwischen.
Trotzdem waren wir dann schon um 10:30 Uhr in der Botschaft, wo uns
unsere supernette Bekannte wieder köngiglich bedient hat!
Womit haben wir das nur verdient? Sie hat uns auch
daraufhingewiesen, dass wir vielleicht besser ein paar der zu
beglaubigenden Dokumente zusammenfassen, damit's billiger wird. So
mussten wir dann statt 3000 nur gute 2000 Soles (ca. 500 Euro)
zahlen. Im Vergleich zu den Gebühren der peruanischen
Ämter langen die Deutschen da ganz schön zu. *seufz* (40
Euro pro beglaubigte Unterschrift, selbst wenn auf allen Dokumenten
der gleiche unterschrieben hat). Nur gut, dass man an den
peruanischen Geldautomaten problemlos mit der deutschen EC-Karte
US-Dollars abheben kann! Leider war dort in der Nähe aber kein
Geldwechsler, so dass ich in der Bank wechseln musste. Der Kurs ist
dort immer viel schlechter als auf der Straße!
Interessanterweise habe ich heute aber festgestelllt, dass man
selbst in der Bank handeln kann! Ein bisschen Wedeln mit $700 und
ein missbilligender Blick auf den Kurs (3,16 Soles/Dollar) hat
ausgereicht, um sie auf 3,195 hochzuhandeln. Ein Unterschied von
immerhin 25 Soles, was hier ca. 5 Mittagessen entspricht.
Nachdem ich unser aus Deutschland abgehobenes und in Soles
gewechseltes Geld dann in der deutschen Botschaft wieder
abgeliefert hatte, damit die es zurückwechseln und wieder nach
Deutschland schicken (kein Wunder, dass es den Banken so gut
geht!), waren nicht nur unsere Brieftaschen total erleichtert. Denn
damit hatten wir ALLE Formalitäten erledigt. Kurz vor dem
Abflug im Dezember müssen wir nur noch das Visum in Marcos
Pass reinkleben lassen und die legalisierten Dokumente wieder
abholen, aber ansonsten ist nun nichts mehr zu erledigen. Kaum zu
glauben, wie schnell das nun doch alles ging!
Nach einem herzlichen Dankeschön an unsere Bekannte und einem
Abschiedsfoto standen wir dann vor der Botschaft und mussten
erstmal ein Päuschen machen, um unsere restlichen Tage in Peru
zu planen. Unser Beschluss: morgen noch einen Tag Ausruhen in Lima
und dann am Abend mit dem Nachtbus ab nach Piura (ganz oben im
Norden von Peru).
Gleichzeitig mit der Premiere (in München!) des
Theaterstücks "Umdraat", bei dem ich (Andy) eigentlich
mitspielen hätte dürfen/sollen, sind wir zum
Busunternehmen "Línea" gefahren und haben uns die Tickets
gekauft. Netterweise akzeptieren die inzwischen auch Kreditkarten,
denn unser Bargeld ging für heute dann doch langsam zur
Neige.
Den Nachmittag haben wir dann wirklich ganz ruhig angehen lassen,
was für die Kinder nach der Rennerei auch dringend nötig
war. Am Abend haben wir dann mal auf das Essen im Haus verzichtet
und sind zu Fuß ins Zentrum von Lima gegangen, haben uns den
Hauptplatz angeschaut und dann gleich dort abendgegessen. Auf dem
Rückweg hat Marco auf Andys Schultern sitzen intensiv
Franciscos und seinen eigenen Namen geübt, bei jedem Schritt:
"Marco Fansico Marco Fansico ..."
Auch Francisco hat sich wieder ein bisserl mehr getraut, Spanisch
zu sprechen. Zwar nicht mit anderen Peruanern, aber immerhin mit
seinem Bruder!
Andy: "Frag doch mal den Marco, ob er Hunger hat."
Francisco: "Tengos hambre?"
Neue Fotos:
http://familie.spiegl.de/fotos/2006-11-10.wieder.in.Lima/