+2006-11-16 Do 23:46

Urlaubsreif

Wir sind immer noch in Piura, besuchen Freunde und Hilfsprojekte, aber morgen tun wir endlich mal unseren Kindern was Gutes und fahren noch ein Stück weiter nach Norden, wo die schönsten Strände Perus sind. Und leider auch die Touristen, aber da am Sonntag in ganz Peru Kommunalwahlen sind, fallen die peruanischen Touristen schon mal weg (Wahlpflicht!). Übers Internet (Webseiten und Chats) haben wir uns das Hotel Sol y Mar in Máncora rausgesucht. Wir werden dann berichten, ob (nein dass!) es uns dort auch so gut gefallen hat, wie wir jetzt hoffen. :-)

Gestern waren wir mit Gaby und einer Spanierin in dem kleinen Hafenort "La Tortuga" mit einem idyllischen Strand (90km von Piura entfernt, 2 Std größtenteils über Schotterpiste). Zum Baden war das nichts, da die Brandung viel zu stark war und zuviele gefährliche Felsen in Ufernähe sind. Gaby beginnt dort mit der Hilfe der Spanierin gerade ein neues Projekt: sie bauen ein Haus als Anlaufstelle für die örtliche Jugend. Dort sollen bald thematische Gruppen, aber auch Feste stattfinden. Dem Ort geht es eigentlich gar nicht so schlecht (Fischfang, Gasvorkommen), aber es ist wieder mal furchtbar ungleich verteilt: ein paar wenige, die super gut verdienen und sehr viele, die gerade mal genug zum Überleben haben. Ausserdem gibt es kein fliessend Wasser (einmal pro Woche kommt ein Tanklaster) und keinen Strom. Gaby tut was sie kann, um den Jugendlichen neben ihre harten Fischerarbeit (schon ab 9 Jahren fahren sie mit ihren Väter zum Fischen, mit erstaunlichem Geschick auf ganz kleinen Floßen, s.Fotos) eine Schulbildung und eine Perspektive zu ermöglichen.



Das Haupt-Projekt von Gaby ist aber Manitos Creciendo. Hier werden Jugendliche unterstützt, die sich selber nach der Grundschule keine Berufsausbildung leisten können, weil sie schon hart arbeiten mussten, um ihre Familie mit zu ernähren oder mangels Geld für die weitere Ausbildung. Diese Kinder haben bei Manitos die Chance, den Beruf Schneider, Friseur, Koch, Automechaniker zu erlernen und bekommen nebenbei auch noch ganz allgemein wichtige Sachen beigebracht: Sexualkunde, Familienplanung, Englisch, Computer, ...



Dieses Projekt läuft schon seit 5-6 Jahren und wir finden es jedesmal wieder toll, mit wieviel Engagement die Jugendlichen ihre Chance nützen. Inzwischen helfen sogar einige Ehemalige (von denen viele mittlerweile erfolgreich auf eigenen Füßen stehen) ehrenamtlich mit und schaffen dadurch noch zusätzliche Angebote für die gesamte Region (AIDS-Aufklärung, Besuche im Gefängnis, ...). Dafür haben sie sogar schon einen nationalen Preis bekommen!

Wir könnten Euch noch stundenlang von Gabys Projekten, Ideen und ihrem unglaublichen Einsatz für ihre Mitmenschen erzählen. Die Frau ist einfach super!

Heute haben wir es endlich geschafft, uns mit unserem gutem Freund Marco und seiner Freundin Patty zu treffen. Die beiden sind mit ihrer Nachrichtensendung (in der benachbarten Stadt Sullana) mehr als beschäftigt. Außerdem unterrichtet Marco auch noch Journalismus in der Universität von Piura. Er hat uns immer erzählt, dass er uns so selten schreibt, weil er so viel zu tun hat, dass er grad noch zum Essen und Schlafen kommt. Und das scheint tatsächlich zu stimmen, uffdada. Da am Sonntag ja Wahlen sind, war diese Woche noch zusätzlich schlecht, aber wenn wir Anfang nächster Woche von unserem Mini-Urlaub zurückkommen, zeigt er uns noch "sein" Radio. Leider gehört es ihm ja nicht. Er hatte ursprünglich vor, selber eine Radiostation zu gründen, aber dann haben sich dummerweise die Gesetze geändert und es wurden so viele Auflagen für neue Radios geschaffen, dass er es sich (vorerst) nicht mehr leisten kann. Daher hat er sich mit einem bestehenden Radio zusammengetan, denen noch eine gute Nachrichtensendung fehlte. Seitdem Marco und Patty das übernommen haben, ist die Zuhörerquote ziemlich angestiegen.



Am Nachmittag haben wir mit Gaby das Armenviertel "La Molina" von Piura besucht, wo zwei junge Spanierinnen als Freiwillige den Kindern Nachhilfeunterricht geben und mit einem behinderten Buben Krankengymnastik machen. Ende des Jahres fahren die beiden aber heim und daher ist Gaby auf der Suche nach einem neuen freiwilligen Physiotherapeuten. Wenn Ihr, liebe Leser, jemanden kennt, der mal eine interessante Auszeit machen will, dann rührt Euch bitte!

Nach Pfannkuchen (natürlich mit Sojamilch) sind die Kinder todmüde ins Bett gefallen und freuen sich auf den Strand. Francisco geht es inzwischen schon wieder ziemlich gut (wenn man von den vielen Mückenstichen am ganzen Körper mal absieht), muss aber noch brav seine Medikamente nehmen.

Und wir melden uns jetzt mal für ein paar Tage ab und wünschen Euch eine schöne kalte Zeit in Deutschland. :-)

Mehr Fotos von gestern und heute: http://familie.spiegl.de/fotos/2006-11-16.Playa.Manitos.Marco/

Posted by Andy Spiegl | Permanent Link | Categories: Adoption

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