Urlaubsreif
Wir sind immer noch in Piura, besuchen Freunde und Hilfsprojekte,
aber morgen tun wir endlich mal unseren Kindern was Gutes und
fahren noch ein Stück weiter nach Norden, wo die
schönsten Strände Perus sind. Und leider auch die
Touristen, aber da am Sonntag in ganz Peru Kommunalwahlen sind,
fallen die peruanischen Touristen schon mal weg (Wahlpflicht!).
Übers Internet (Webseiten und Chats) haben wir uns das Hotel
Sol y Mar in
Máncora rausgesucht. Wir werden dann berichten, ob (nein
dass!) es uns dort auch so gut gefallen hat, wie wir jetzt hoffen.
Gestern waren wir mit Gaby und einer Spanierin in dem kleinen
Hafenort "La Tortuga" mit einem idyllischen Strand (90km von Piura
entfernt, 2 Std größtenteils über Schotterpiste).
Zum Baden war das nichts, da die Brandung viel zu stark war und
zuviele gefährliche Felsen in Ufernähe sind. Gaby beginnt
dort mit der Hilfe der Spanierin gerade ein neues Projekt: sie
bauen ein Haus als Anlaufstelle für die örtliche Jugend.
Dort sollen bald thematische Gruppen, aber auch Feste stattfinden.
Dem Ort geht es eigentlich gar nicht so schlecht (Fischfang,
Gasvorkommen), aber es ist wieder mal furchtbar ungleich verteilt:
ein paar wenige, die super gut verdienen und sehr viele, die gerade
mal genug zum Überleben haben. Ausserdem gibt es kein
fliessend Wasser (einmal pro Woche kommt ein Tanklaster) und keinen
Strom. Gaby tut was sie kann, um den Jugendlichen neben ihre harten
Fischerarbeit (schon ab 9 Jahren fahren sie mit ihren Väter
zum Fischen, mit erstaunlichem Geschick auf ganz kleinen
Floßen, s.Fotos) eine Schulbildung und eine Perspektive zu
ermöglichen.
Das Haupt-Projekt von Gaby ist aber
Manitos
Creciendo. Hier werden Jugendliche unterstützt, die sich
selber nach der Grundschule keine Berufsausbildung leisten
können, weil sie schon hart arbeiten mussten, um ihre Familie
mit zu ernähren oder mangels Geld für die weitere
Ausbildung. Diese Kinder haben bei Manitos die Chance, den Beruf
Schneider, Friseur, Koch, Automechaniker zu erlernen und bekommen
nebenbei auch noch ganz allgemein wichtige Sachen beigebracht:
Sexualkunde, Familienplanung, Englisch, Computer, ...
Dieses Projekt läuft schon seit 5-6 Jahren und wir finden es
jedesmal wieder toll, mit wieviel Engagement die Jugendlichen ihre
Chance nützen. Inzwischen helfen sogar einige Ehemalige (von
denen viele mittlerweile erfolgreich auf eigenen Füßen
stehen) ehrenamtlich mit und schaffen dadurch noch zusätzliche
Angebote für die gesamte Region (AIDS-Aufklärung, Besuche
im Gefängnis, ...). Dafür haben sie sogar schon einen
nationalen Preis bekommen!
Wir könnten Euch noch stundenlang von Gabys Projekten, Ideen
und ihrem unglaublichen Einsatz für ihre Mitmenschen
erzählen. Die Frau ist einfach super!
Heute haben wir es endlich geschafft, uns mit unserem gutem Freund
Marco und seiner Freundin Patty zu treffen. Die beiden sind mit
ihrer Nachrichtensendung (in der benachbarten Stadt Sullana) mehr
als beschäftigt. Außerdem unterrichtet Marco auch noch
Journalismus in der Universität von Piura. Er hat uns immer
erzählt, dass er uns so selten schreibt, weil er so viel zu
tun hat, dass er grad noch zum Essen und Schlafen kommt. Und das
scheint tatsächlich zu stimmen, uffdada. Da am Sonntag ja
Wahlen sind, war diese Woche noch zusätzlich schlecht, aber
wenn wir Anfang nächster Woche von unserem Mini-Urlaub
zurückkommen, zeigt er uns noch "sein" Radio. Leider
gehört es ihm ja nicht. Er hatte ursprünglich vor, selber
eine Radiostation zu gründen, aber dann haben sich dummerweise
die Gesetze geändert und es wurden so viele Auflagen für
neue Radios geschaffen, dass er es sich (vorerst) nicht mehr
leisten kann. Daher hat er sich mit einem bestehenden Radio
zusammengetan, denen noch eine gute Nachrichtensendung fehlte.
Seitdem Marco und Patty das übernommen haben, ist die
Zuhörerquote ziemlich angestiegen.
Am Nachmittag haben wir mit Gaby das Armenviertel "La Molina" von
Piura besucht, wo zwei junge Spanierinnen als Freiwillige den
Kindern Nachhilfeunterricht geben und mit einem behinderten Buben
Krankengymnastik machen. Ende des Jahres fahren die beiden aber
heim und daher ist Gaby auf der Suche nach einem neuen freiwilligen
Physiotherapeuten. Wenn Ihr, liebe Leser, jemanden kennt, der mal
eine interessante Auszeit machen will, dann rührt Euch
bitte!
Nach Pfannkuchen (natürlich mit Sojamilch) sind die Kinder
todmüde ins Bett gefallen und freuen sich auf den Strand.
Francisco geht es inzwischen schon wieder ziemlich gut (wenn man
von den vielen Mückenstichen am ganzen Körper mal
absieht), muss aber noch brav seine Medikamente nehmen.
Und wir melden uns jetzt mal für ein paar Tage ab und
wünschen Euch eine schöne kalte Zeit in Deutschland.
Mehr Fotos von gestern und heute:
http://familie.spiegl.de/fotos/2006-11-16.Playa.Manitos.Marco/